Holzwerkstoff­platten

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Die große Welt der Holzprodukte

OSB, CPL und MDF? In der kleinen Holzwerkstofflehre werden viele Materialien beschrieben, die aus Holz oder Holzbestandteilen (zum Beispiel Lignin) hergestellt werden. Die Nutzung von Holz in Faserplatten, als Brettsperrholz oder mit Kunststoffanteil in WPC eröffnet viele Einsatzmöglichkeiten. Erfahren Sie hier mehr über die verschiedenen Holzwerkstoffplatten.

Spanplatten

Spanplatten sind die größte und bekannteste Gruppe der Holzwerkstoffplatten. Sie bestehen aus Holzspänen (Laub- und Nadelhölzer), die getrocknet, sortiert und anschließend mit Kunstharzleimen unter großem Druck zu Platten in der erforderlichen Dicke und Dichte gepresst werden. Spanplatten besitzen zumeist einen drei- oder mehrschichtigen Aufbau. Für die äußeren Schichten werden, speziell wenn die Platten im nächsten Schritt noch beschichtet werden wie beispielsweise im Möbelbau, sehr feine Späne verwendet. Spanplatten gibt es in den Ausführungen P1 – P7, klassifiziert nach ihren Eignungen für den Einsatz ausschließlich im Trocken- oder auch im Feuchtbereich sowie für den Einsatz als tragendes Bauteil unter Berücksichtigung der statischen Anforderungen:

  • P1 Trockenbereich / leichte Verkleidungen / nicht tragend
  • P2 Trockenbereich / Möbel- und Innenausbau / nicht tragend
  • P3 Feuchtbereich / nicht tragend
  • P4 Trockenbereich / tragend
  • P5 Feuchtbereich / tragend
  • P6 Trockenbereich / tragend-hochbelastbar
  • P7 Feuchtbereich / tragend-hochbelastbar

Einsatzbereich:

Je nach Herstellungsverfahren wird bei Spanplatten zwischen Flachpressplatten und Strangpressplatten unterschieden. Beim Flachpressverfahren werden mit Harz versetzte Späne eingestreut, die parallel zur Plattenebene liegen. Dadurch weist diese Spanplatte in allen Richtungen die gleichen Festigkeitseigenschaften auf. Die so hergestellten Spanplatten werden als mittragende Beplankung von Holztafeln z.B. für tragende Dach-, Decken- und Wandkonstruktionen verwendet.

Beim Strangpressverfahren werden die mit Bindemittel angereicherten Späne in einem geheizten Formkanal gedrückt. Dadurch richten sich die Späne senkrecht zur Plattenebene aus. Die so hergestellten Spanplatten weisen eine geringe Biegefestigkeit und ein geringes Stehvermögen auf. Sie werden darum in der Regel mit einem Furnier oder einer Holzfaserplatte beplankt. Durch das Einführen von Heizrohren längs der Pressrichtung im Presskanal entstehen Röhrenspanplatten, die in der mittleren Zone des Plattenquerschnitts über röhrenförmige Hohlräume verfügen und häufig für die Türenfertigung oder als Decken- und Wandverkleidung verwendet werden.

spanplatten

BU: Formaldehydfrei verleimte Holzspanplatten (Foto: Pfleiderer)

MDF-Platten

MDF (Medium Density Fiberboard) ist die Abkürzung für eine mitteldichte Holzfaserplatte. Sie ist der am weitesten verbreitete Typ von Faserplatten. Da sich MDF sehr gut verarbeiten lässt, setzen vor allem Schreiner im Möbel- und Innenausbau auf diese Holzwerkstoffplatten. MDF-Platten können sowohl aus Nadel- als auch aus Laubhölzern hergestellt werden. Die überwiegende Menge des in Europa hergestellten MDF besteht aus Nadelholz. Die Herstellung erfolgt, indem Holzhackschnitzel thermisch und mechanisch zu Holzfasern aufgelöst werden, die anschließend unter Zusatz von Kunstharzen zu Platten verpresst werden. Sie verfügen über eine geschlossene homogene Oberfläche und ihr Quell- und Schwindverhalten ist gleichmäßig.

Einsatzbereich:

MDF-Platten lassen sich vielseitig verwenden und werden stark nachgefragt. Hauptabnehmer ist die Möbelindustrie, da die MDF-Platte eine preiswerte Alternative zu Vollholz ist. Ihre glatte Oberfläche erlaubt eine einfache Bearbeitung mit Farben und Lacken, weshalb sie gerne als Profilverzierung und für Küchenmöbel verwendet wird. Auch für Türen werden MDF-Platten verwendet. Ein weiterer Anteil geht in die Produktion von Laminatfußböden, da MDF-Platten sehr gut Schwingungen absorbieren.

mdf platten

BU: Diffusionsoffene mitteldichte Holzfaserplatten, geeignet als Unterdeckung im Dach oder in der Wand (Foto: Pfleiderer)

OSB-Platten

OSB-Platten (in der Langversion: Oriented Strand Boards) sind Mehrschichtplatten, die aus langen, schlanken Spänen (Strands) mit vorbestimmter Form und Dicke hergestellt werden. Dazu wird frisches Waldholz (sowohl Nadelholz, vor allem Fichte und Kiefer, als auch in geringen Mengen Laubholz) verwendet. In den Deckschichten werden die Späne generell in Längsrichtung der Platte ausgerichtet (orientiert), während sie in den Mittellagen kreuzweise angeordnet sind. Obwohl OSB-Platten aus relativ großen Holzspänen bestehen, ist die Oberfläche verhältnismäßig glatt, was durch Schleifen noch verbessert werden kann.

Einsatzbereich:

Die hohen Festigkeiten von OSB-Platten machen diese besonders interessant für den Einsatz in tragenden Konstruktionen, speziell als aussteifende Beplankungen von Wänden und Decken im Holzbau. Darüber hinaus kommen diese Holzwerkstoffplatten auch als Verpackungen, Kisten, Paletten sowie im Laden- und Messebau, als Betonschalung oder bei Bauzäunen zum Einsatz. Da OSB-Platten günstiger in der Herstellung sind, haben sie vielerorts Sperrholz-Platten ersetzt.

osb platten

Wandverkleidung aus OSB-Platten (Foto: KOLLAXO)

Sperrholz

Sperrholz-Platten bestehen aus mindestens drei Holzlagen, die mittels eines Klebstoffs zu einem Verbundwerkstoff verleimt und gepresst werden. Ausgangsstoff sind Schälfurniere, die aus Laub- und Nadelholz erzeugt werden. Zur Sperrholzherstellung werden die Laubholzarten Buche, Birke und Pappel verwendet – oder auch tropische Hölzer wie Okoumé oder Eukalyptus. Als Nadelhölzer werden vor allem Fichte und Kiefer eingesetzt.

Es gibt vier Grundtypen des Sperrholzes:

  1. Furniersperrholz besteht ausschließlich aus einer ungeraden Anzahl an Furnieren, die symmetrisch zur Furniermittellage kreuzweise verleimt werden. Platten mit Dicken über zwölf Millimeter und mit mindestens fünf Lagen werden auch als Multiplexplatten Bei besonders hohen Ansprüchen an gleiche Eigenschaften in allen Richtungen der Plattenebene können die Einzellagen auch sternförmig (Sternholz) angeordnet werden. Bestehen die Lagen einer Platte aus unterschiedlichen Holzarten, spricht man von Kombi-Sperrholz. Dort werden die höherwertigen Holzarten als Deckfurniere eingesetzt.
  2. Verpresst man die beleimten Furniere in geformten Pressen, sogenannten Gesenken, entsteht Formsperrholz, oder kurz Formholz. Dünnste Holzlagen werden unter Hitze und Druck in Formpressen gekrümmt und gebogen und mittels eines Rahmens in Form gehalten. Überwiegend kommen Buchenschälfurniere zum Einsatz. Die Verformung erfolgt zwei- und dreidimensional. Formsperrhölzer findet man in Sitzschalen, Rücken- und Armlehnen sowie geformten Möbel- und Gehäuseteilen.
  3. Beim sogenannten Stab- oder Stäbchensperrholz (häufig auch als Tischlerplatte bezeichnet) ist eine Mittellage aus parallel und hochkant ausgerichteten Vollholzstäben oder -stäbchen beidseitig mit einem Deckfurnier beplankt.
  4. Schichtholz besteht aus mindestens drei Furnierlagen, jedoch mit parallel gelegtem Faserverlauf. Bei dickeren Platten dürfen aus Gründen des besseren Stehvermögens bis zu 15 Prozent der Lagen gekreuzt liegen.

Neben diesen vier Grundtypen gibt es das zusammengesetzte Sperrholz, bei dem mindestens eine Innenlage aus anderen Holzwerkstoffen (z.B. Spanplatte) oder auch nicht holzhaltigen Materialien wie z.B. biegeweichen Kunststoffschichten besteht. Für die Außenlagen wird Furnier verwendet.

Einsatzbereich:

Entsprechend des unterschiedlichen Aufbaus lässt sich Sperrholz vielfältig einsetzen. Im Rohbau wird es für die Außenwände, die Dachschalung, die Innenwände und die Decken, für die Außenbekleidung und die Betonschalung eingesetzt. Im Innenausbau wird es für Trennwände, Türen, Treppen, Wand- und Deckenbekleidung, Einbauschränke, Regale und als Trägermaterial für moderne Holzfußböden verwendet.

Auch Wohn- und Sitzmöbel entstehen aus Sperrholz. Ein weiterer Einsatzbereich ist der Fahrzeugbau. Hier dienen Sperrholzplatten als Laderaum-Schutzböden für Transporter, als Anhängerbodenplatten aber auch als hochbeanspruchte Bodenplatten für Pritschen und schwere Nutzfahrzeuge.

Planer und Architekten nutzen diese Holzwerkstoffplatten zudem gerne, um daraus Modelle zu bauen.

Stuhl aus Furniersperrholz

Stuhl aus Furniersperrholz (Foto: IFN)

Siebdruckplatten

Siebdruckplatten sind beschichtete Sperrholzplatten, die aus mindestens fünf gleich starken Furnierlagen bestehen. Die einzelnen Furnierlagen werden mit einem speziellen Leim verbunden, dem Phenolharz. Durch das Phenolharz erhält die Siebdruckplatte eine dunkelbraune Farbe. Aufgrund der Harzbeschichtung ist die Siebdruckplatte widerstandsfähiger und wasserabweisend, d.h. die Platte bleibt auch bei Feuchtigkeit äußerst stabil. Für die Herstellung von Siebdruckplatten wird in der Regel Birkenholz verwendet.

Siebdruckplatten sind in zwei Oberflächen-Varianten erhältlich:

Sieb/Film-Platten
Während der Verleimung der Platten wird ein Sieb in die Oberfläche der Platte gedrückt. Dadurch erhält die Siebdruckplatte eine raue Seite und ist rutschfest. Die andere Oberflächenseite der Platte bleibt glatt.

Film/Film-Platten
Bei dieser Variante bleiben beide Oberflächen der Siebdruckplatte glatt. Da die Platte bereits mit dem Phenolharzfilm behandelt wurde, muss sie nicht mehr abgeschliffen werden.

Einsatzbereich:

Da Siebdruckplatten sehr widerstandsfähig sind, werden sie im Fahrzeugbau verwendet und z.B. als Böden in LKWs oder KFZ-Anhängern verbaut. Weiterhin werden Siebdruckplatten auch im Möbel-, Schalungs-, Bühnen- und Messebau verwendet.

Dreischichtplatten

Die Dreischichtplatte besteht aus drei Vollholzlagen, die kreuzweise verlegt und im Anschluss flächig miteinander verleimt wurden. Dies verleiht ihr ein hervorragendes Stehvermögen und eine hohe Festigkeit bei einem geringen Eigengewicht. Werden die Platten im Holzbau eingesetzt, so bestehen sie überwiegend aus Nadelhölzern, zur Verwendung im Möbelbau wiederum werden die Platten aus Hölzern aller Art gefertigt. Besonders Dreischichtplatten aus Fichtenholz lassen sich gut schneiden, sägen und verleimen.

Einsatzbereich:

Durch den ästhetischen Naturholzcharakter der Oberflächen werden Dreischichtplatten gerne im Möbel-und Innenausbau eingesetzt. Mit einer entsprechenden Zulassung (CE-Kennzeichnung) können sie auch im konstruktiven Holzbau eingesetzt werden, insbesondere als mittragende und aussteifende Beplankung bei der Herstellung von Wand-, Decken- und Dachtafeln für Holzhäuser in Tafelbauweise. Weitere Anwendungsbereiche sind der Laden- und Messebau sowie Verpackungen und Verkleidungen aller Art.

Holzwerkstoffplatten im Holzfachhandel

Mehr Informationen zu den verschiedenen Holzwerkstoffplatten und ihren Einsatzbereichen erhalten Sie vor Ort im Holzfachhandel.

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