Brettschichtholz

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Tragende Rolle: Brettschichtholz im konstruktiven Holzbau

Brücken, Schwimmbäder, Sport- und Lagerhallen – immer öfter werden große Gebäude und Gebäudeteile mit Holz gebaut. Möglich wurde dies durch Produktinnovationen, die den modernen Holzbau in den letzten Jahren revolutioniert haben. Eine davon ist das sogenannte Brettschichtholz. Es weist höhere Festigkeiten als normales Bauholz auf, kann in Längen von deutlich über 20 Metern hergestellt werden und eignet sich deshalb ideal für tragende Konstruktionen wie Wände, Decken und Hallendächer.

Brettschichtholz (abgekürzt auch BS-Holz oder BSH genannt) ist ein industriell gefertigtes Produkt für den konstruktiven Einsatz und besteht aus mindestens drei faserparallel miteinander verklebten und getrockneten Brettern oder Brettlamellen aus Nadelholz. BS-Holz wird standardmäßig aus Fichte hergestellt. Seltener werden Tanne, Kiefer, Lärche und Douglasie eingesetzt.

Der Herstellungsprozess von Brettschichtholz

Im ersten Produktionsschritt wird das Holz technisch auf eine Holzfeuchte von etwa zwölf Prozent getrocknet und danach vorgehobelt. Die so vorbehandelten Bretter werden im Anschluss visuell oder zunehmend auch maschinell nach Festigkeit sortiert. Entdeckt der Fachmann bei der Sortierung Brettabschnitte mit festigkeitsmindernden oder unansehnlichen Wuchsabweichungen (z.B. große Äste, Harzgallen und Rindeneinschlüsse), werden diese je nach Festigkeits- und Oberflächenklasse ausgekappt. Durch eine fingerförmige, kraftschlüssige Klebeverbindung (Keilzinkenverbindung) werden die einzelnen Bretter danach in Längsrichtung zu langen Endloslamellen verbunden.

Die Endloslamellen werden auf eine Dicke von bis zu 45 Millimeter gehobelt, auf die Breitseiten wird im Anschluss Klebstoff aufgetragen. Mindestens drei beleimte Lamellen werden aufeinandergeschichtet und in einem geraden oder auch gekrümmten Pressbett miteinander verpresst. Die Klebstoff-Fugen sind sehr dünn. Der Klebstoff-Anteil am fertigen Produkt beträgt weniger als ein Prozent. Brettschichtholz darf zudem nur von Betrieben hergestellt werden, die einen entsprechenden Nachweis (Leimgenehmigung) über die Eignung zum Leimen von tragenden Bauteilen besitzen.

Das so entstandene Brettschichtholz härtet unter Druck aus. Nach der Aushärtung wird der Rohling in der Regel nochmals gehobelt und gefast.

Positive Eigenschaften von Brettschichtholz

Brettschichtholz ist der ideale Werkstoff, wenn besonders großen Wert auf hohe Formstabilität und Maßhaltigkeit gelegt werden soll. Durch die Trocknung, Festigkeitssortierung und mehrschichtige Verleimung des Ausgangsmaterials entsteht ein sehr stabiles, rissarmes Produkt, das eine bis zu 50 Prozent höhere Biegefestigkeit als übliches Bauschnittholz aufweist. Die hohe Tragfähigkeit bei einem geringen Eigengewicht ermöglicht schlanke und wirtschaftliche Tragwerkskonstruktionen mit großen Spannweiten ohne Stützen. Da die Einzellamellen vor dem Verkleben leicht formbar sind, können auch bogenförmige und gekrümmte Bauteile hergestellt werden (siehe Foto oben). Somit wird Brettschichtholz auch architektonischen und gestalterischen Ansprüchen gerecht. Brettschichtholz besitzt außerdem ein klar definiertes Brandverhalten, genügt den Brandschutzbestimmungen und ist im Vergleich zu anderen Baumaterialien im Brandfall berechenbarer und sicherer.

Stabile Decken und Wände

Brettschichtholz-Bauteile werden in verschiedenen Oberflächenqualitäten angeboten: „Sicht-Qualität“ (Si) steht für Bauteile und Konstruktionen aller Art mit statischen und ästhetischen Anforderungen für den Einsatz in Innenräumen, „Industrie-Qualität“ – auch als „Nicht-Sicht“ (NSi) bezeichnet – steht für Brettschichtholz mit statischen Anforderungen ohne gehobenen optischen Anspruch.

Im Innenausbau, z. B. für Decken und Wände, wird Brettschichtholz nicht nur in „Sicht-Qualität“ geliefert, sondern auch gerne sichtbar (ohne Verkleidung und Anstrich) verbaut. Die Natürlichkeit des Holzes sieht schön aus und schafft zugleich ein angenehmes und behagliches Raumklima. Ein weiterer Vorteil liegt in den kurzen Montagezeiten. Trocken- oder sonstige Wartezeiten nach der Montage wie bei Beton entfallen. Die schlanken Bauteilmaße gewähren zudem größere Konstruktionsflächen. Bauherren und Modernisierer gewinnen dadurch mehr Wohnfläche und profitieren von den guten Wärme-, Schall- und Brandschutzwerten des Brettschichtholzes.

Worauf ist beim Kauf von Brettschichtholz zu achten?

Bauteile aus Brettschichtholz sind statisch tragende Konstruktionselemente und müssen deshalb europäischen und deutschen Normen sowie den bauaufsichtlichen Anforderungen entsprechen. BS-Holz wird entsprechend DIN EN 14080 produziert und in verschiedene Festigkeitsklassen eingeteilt. Es gibt folgende Standardqualitäten: GL 24c, GL 24h, GL 28c, GL 30c. Die Zahlenwerte der GL-Klassen stehen für den charakteristischen Wert der Biegefestigkeit in Newton je Quadratmillimeter (N/mm²). Das „h“ bzw. „c“ bei den Benennungen steht für homogenes bzw. kombiniert aufgebautes BSH. Brettschichtholz, welches nach DIN EN 14080 produziert wird und alle Anforderungen erfüllt, ist am CE Zeichen erkennbar.

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