Erle - Merkmale & Eigenschaften - Holz vom Fach

Holzarten-ABC

Erle

Schwarzerle | Roterle, amerikanische

Erle - Bezeichnungen und Verbreitung

Kurzzeichen DIN EN 13556

ALGL

Botanische Bezeichnung

Alnus glutinosa, Alnus spp.

Handelsnamen

Western Alder
GD Holz

Erle – Beschreibung und Merkmale

Kurzbeschreibung

Die Gattung der Erlen (Alnus) zählt mehr als 30 Arten, von denen fast je ein Drittel in Nordamerika, in Europa sowie Asien verbreitet ist. Es sind überwiegend kleine bis mittelgroße Bäume, die feuchte Standorte mäßig warmer Länder der nördlichen Erdhälfte bevorzugen und als Pionierholzarten schnell wachsende Reinbestände bilden können. Einige Arten erreichen, die Gebirge begleitend, auch südlichere Standorte in Nordafrika, Formosa, Vietnam und Argentinien.

Die Hölzer der baumförmigen Arten ähnlich sich in Struktur, Farbe sowie technischen Eigenschaften so weitgehend, dass sie häufig miteinander austauschbar sind. In diesem Merkblatt werden hauptsächlich die für den europäischen Markt wichtige Amerikanische Roterle und die in Deutschland, überwiegend verbreitete Schwarzerle beschrieben.

86 Erle 86 Erle 86 Erle 86 Erle

Stammform

Vollrund und geradschäf­tig oder gekrümmt am unteren Stamm; astfreie Längen bis 8 m, meist um 8 m bis 12 m und mit Durchmessern bis 0,8 m; häufig um 0,5 m; teils ein­gewachsene Äste häufig und alte Stämme (über 60 jährig) mit beginnen­dem Faulkern.

Farbe und Struktur

Ohne echtes Kernholz, obwohl von außen nach innen die Färbung zunehmen kann. Frisches Holz blaß gelblich bis hell rötlichweiß, nach dem ersten Über­ trocknen oberflächlich in organge bis bräunlich übergehend; trocken (12% bis .8%) überwiegend blaß gelblich bis rötlichbraun, ohne klare Unterschei­dung zwischen den Arten. Zuwachs­zonen auch auf glatten Flächen durch geringe Hell-/Dunkelunterschiede zwi­schen Früh- und Spätholz nur schwer erkennbar.

Poren zerstreut, sehr fein und ohne Lupe kaum wahrzunehmen. Holzstrahlen sehr schmal und nied­rig, das Holzbild nicht beeinflussend; vereinzelt und in unregelmäßigen Ab­ständen bis zu mehreren Zentime­tern so dicht zusammenstehend, dass der Eindruck eines breiten Holzstrah­les entsteht (Scheinmarkstrahl).
Speicherzellen nicht erkennbar. Marktlecken im Querschnitt als meist nierenförmige, rote Felder und im Längsschnitt als bis mehrere Zen­timeter lange und feine Streifen un­terschiedlich häufig.

Gesamtcharakter

Gleichmäßig struk­turierte Hölzer mit porenlos erschei­nender Oberfläche und blaß gelblich­brauner bis rötlichbrauner Färbung (trocken).

Abweichungen

Veränderungen von Farbe und Festigkeit im inneren Stammbereich durch fortgeschrittene Weißfäule.

Handelsformen

Rundholz: nur von Schwarzerle. Schnittholz: Längen ab 2,5 m bis 4,2 m; Breiten ab 75 mm bis 100 mm; Stärken von 25 mm bis 100 mm.

Furniere: Geschält oder gemessert. Halbwaren: Leisten- u. Profilhölzer. Sperrhölzer: Furnier- und Tischler­ platten.

Eigenschaften

Nach dieser Tabelle sind die Hölzer beider Erlen-Arten als mäßig leicht einzustufen, wobei die Werte für die Nordamerikanische Roterle etwa um 1/5 geringer sind als die der Schwarzerle; ihre Werte ähneln dem Lenga, dem Limba und dem amerikanischen Whi­tewood. Andere nur lokal genutze Er­lenHölzer, wie die nordindische Erle von Ainus nepalensis, die japanische von A. japonica, die taiwanische von A.formosana und die südamerikani­sche von A. jorullensis sind ähnlich leicht wie die Nordamerikanische Ro­terle. Die Bearbeitung der Erlen-Hölzer erfordert einen nur mäßigen Kraftaufwand und führt überwiegend zu glatten Flächen; nur bei Astansät­zen oder anderen Faserabweichungen kann es, besonders bei Drehautoma­ten und beim Fräsen, zu filzigen Oberflächen kommen. Eckverbindun­gen, Nägel und Schrauben

sowie Verleimungen halten gut Alle Erlen-Hölzer sind gut schäl- und mes­serbar, zu drechseln und zu fräsen. Die Schwindungswerte liegen im mitt­leren Bereich, sind in den Längsrich­tungen nur mäßig verschieden und er­geben ein befriedigendes bis gutes Stehvermögen. Die Trocknung ver­läuft schnell und führt selten zu leichter Rißbildung oder zum Verziehen. Nach­teilig ist die Neigung zum Verbräunen, die bei mehrjähriger Freiluft-Trocknung wie auch bei der technischen Trock­nung auftreten kann; bei letzterer wird durch eine kurze Erhitzung auf 95° im gesättigten Wasserdampf versucht, Verfärbungen vorzubeugen.

Erlen-Hölzer sind geruchlos, anfällig für Pilz- und Insektenbefall, und im Süß­wasser besteht (untergetaucht) eine gute Haltbarkeit gegen das Verrotten.

Oberflächenbehandlung

Im Innenbereich, für den Erlen-Hölzer im allgemeinen nur verwendbar sind, können alle Mittel und Methoden an­gewendet werden; geschlossene und hochglänzende Flächen sind gut herzustellen. Alle Erlen-Hölzer sind in beliebiger Weise beizbar, aber be­sonders gut als Mahagoni, Nußbaum und Kirschbaum.

Verwendungsbereiche

Vollholz: Aufgrund der nach Farbe und Struktur praktisch nicht unterscheidba­ren Arten sind alle Erlen-Hölzer gleich oder sehr ähnlich einsetzbar, vor allem in kleinen Dimensionen und wo keine besonderen Ansprüche an die Festig­keit gestellt werden: Für gedrechselte, gefräste oder geschnitzte Möbelteile, Schubkastenseiten, Blindhölzer und Mittellagen, Gehäuse oder Fassungen für Armaturen und Uhren, Modellbau und Formen, Besen- und Bürstenrük­ken, Bilderrahmen und Zierleisten, zu­sammengesetzte Ringe großer Durchmesser, Spulen, Geschenkarti­kel, Spielzeug, Bleistifte, Zigarrenkis­ten, Bienenbeuten, Obstkisten sowie Bauteile unter (Süß-)Wasser.

 

Furnier: Für Platten, geschält oder gemessert sowie für Absperrun­gen, Decks (Vertäfelungen, Paneele).

Austauschhölzer

Im Innenbereich überwiegend gebeizt als Vollholz oder Furnier, häufig im Austausch für Kirschbaum und Mahagoni verwendet; außerdem für Abura (Merkblatt 44), Ag­ba (Merkblatt 43), Birnbaum (Pyrus communis), Lenga (Merkblatt 56), Limba (Merkblatt 19), Nußbaum (Merkblatt 64), Rauli (Merkblatt 85), Nordamerikan. Redgum (Liquidambar styraciflua) und Nordamerikan. Whi­tewood (Liriodendron tulipifera).

Anmerkungen

Das Holz der in Nord­europa und in Westsibirien verbreiteten Grauerle (Ainus incana) ist nicht von Schwarzerle unterscheidbar, wird wie diese gehandelt und verwendet.

Erle – Technische Eigenschaften

Gewicht frisch

765-900 kg/m³

Gewicht darrtrocken

420-490 kg/m³

Druckfestigkeit u12-15

40-50 N/mm²

Biegefestigkeit u12-15

68-90 N/mm²

Literatur

Anonymus: Schwarzerle-Holzeigen­ schaftstafel, in Holz als Roh- und Werkstoff 2 (5): 215, Berlin 1939.

- - -: Red Alder, in American Woods FS-215, US Dep. Agric. For. Serv" Washington DC 1971.

Brandstätter, M.: Zur Vermeidung der Verfärbung bei künstlicher Trocknung von Erlenholz, in Internat. Holzmarkt

4:7, Wien 1988.

Dahms, K.-G.: Roterle - Neue Im­portholzkunde III, in Holz-Zentralblatt 60/61: 899, Stuttgart 1982.

Kropf, P.: Die Erle und die Verwendung ihres Holzes, in Holz-Zentralblatt 146: 2146,   Stuttgart   1985;   154/155:

2258-2259; 1985; 5: 36, 1986.

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