Tanne - Merkmale & Eigenschaften - Holz vom Fach

Holzarten-ABC

Tanne

Weißtanne | Silbertanne | Edeltanne

Tanne - Bezeichnungen und Verbreitung

Kurzzeichen DIN EN 13556

ABAL

Botanische Bezeichnung

Abies alba Mill. (A. pectinata (Lam.) DC)

Verbreitung

Mittel- und Südeuropa, Deutschland

Handelsnamen

Weißtanne; Silbertanne; Edeltanne
GD Holz

Tanne – Beschreibung und Merkmale

Kurzbeschreibung

Die Tanne ist eine Baumart der montanen Bergstufe. In Deutschland kommt sie als Mischbaumart zusammen mit Buche und/oder Fichte hauptsächlich im Schwarzwald und Bayrischem Wald vor. Sie gehört zu unseren mächtigsten und schönsten Waldbäumen. Das Holz der Tanne ist dem der Fichte sehr ähnlich.

Stammform

Im Bestandesschluss werden kerzengerade, ausgesprochen vollholzige uns astreine Stämme mit einer ähnlich hohen Nutzholzausbeute wie bei Fichte ausgebildet. Auf geringen Standorten und im Freistand tritt dagegen Abholzigkeit auf. Je nach Alter und Standort werden bei astfreien Schaftlängen bis 20 m Baumhöhen zwischen 25 und 50 m und Durchmesser zwischen 40 und 120 cm erreicht. Vereinzelt werden auch Höhen von über 60 m bei Brusthöhendurchmessern von 150 bis 200 cm erzielt.
Die Rinde ist anfangs ziemlich glatt, dunkelgrau und mit Harzbeulen versehen. Im Alter nimmt sie eine weiß- bis silbergraue Farbe an.

Farbe und Struktur

Das Splint- und Kernholz sind farblich nicht verschieden. Das Holz ist matt rötlichweiß über gelblichweiß bis fast weiß und zeigt des Öfteren einen grauvioletten oder bläulichen Schimmer. Durch die häufige Nasskernbildung können geringe Verfärbungen netstehen. Die Jahrringe sind wie bei allen einheimischen Nadelhölzern deutlich voneinander abgesetzt. Innerhalb der Jahrringe vollzieht sich der Übergang vom hellen, weißlichen Früholz zum rötlich-gelben Spätholz in der Regel allmählich. Auf den Längsflächen verursachen die dunkleren Spätholzzonen markante Fladern.

Das Holz der Tanne ist dem der Fichte sehr ähnlich. Wesentliches Unterscheidungsmerkmal der beiden Holzarten sind die Harzkanäle die nur bei der Fichte vorkommen und dort auf sauberen Querschnitt unter der Lupe als kleine helle Punkte erkennbar sind.

Auch die im Fichtenholz ziemlich häufigen Harzgallen sind ein Unterscheidungsmerkmal. Ferner besitzt die Fichte eine zumeist ins gelblich gehende Farbe sowie einen seidigen Glanz. Das Tannenholz dagegen ist glanzlos und stumpf. Schließlich gibt die Aststellung Anhaltspunkte für die Artunterscheidung.

So stehen bei der Tanne die Astquirle nahezu waagerecht zur Stammachse, dementsprechend ergeben sich beim Einschnitt unterschiedlich runde Astequerschnitte auf der Schnittware.

Während die Äste der Tanne eine mehr runde Form haben, sind die Äste der Fichte häufig oval.

Nasskern: Der Begriff Nasskern beruht auf einem hohen Feuchtigkeitsgehalt des Kernholzes. Tannen weisen allgemein an der Basis im Splintholz einen Feuchtigkeitsgehalt von 150 bis 200 % auf. Der normale Nasskern ist einheitlich braun gefärbt, typisch kreisrund geformt und bleibt im Stammzentrum aus das echte Kernholz beschränkt.

Gesamtcharakter

Geradfaseriges weißliches Nadelholz ohne Kernfärbung und Harzkanäle. Mit deutlichem Frühholz- Spätholz-Kontrast bzw. ausgeprägter Jahrringstruktur.

Eigenschaften

Ebenso wie im Aussehen unterscheidet sich das Holz der Tanne auch in seinen Werkstoffeigenschaften nur wenig von dem der Fichte. Allerdings besitzt jede der beiden Holzarten spezifische Eigenschaften, die sie jeweils für bestimmte Verwendungszwecke besonders geeignet erscheinen lassen. Tannenholz ist etwas spröder und filziger und hat zumeist mehr und stärkere Äste und wird wird für solche Verwendungszwecke vorgezogen, bei denen der Harzgehalt der Fichte störend wirkt oder bei denen eine hohe Beständigkeit gegen Säuren und Alkalien gewünscht wird.

Das Tannenholz ist weich und leicht bis mittelschwer. Tanne schwindet mäßig und besitzt anch der Trocknung ein gutes Stehvermögen und arbeitet weniger als Fichte. Weiterhin gilt Tannenholz als elastisch und sehr biegsam.

Oberflächenbehandlung

Die Oberflächenbehandlung wirft keine Probleme auf und kann mit allen handelsüblichen Mitteln vorgenommen werden. Gegenüber Alkalien und Säuren ist die Tanne bemerkenswert beständig.

Bearbeitbarkeit

Das Holz der Tanne lässt sich im allgemeinen weniger gut bearbeiten als das der Fichte, dennoch die Bearbeitung mit allen Wekzeugen sowohl von Hand als auch mit Maschinen gut durchzuführen. Das Holz ist leicht gerade und lang zu spalten. Ferner lässt es sich gut nageln, schrauben und problemlos verleimen.

Trocknung

Tannenholz lässt sich rasch und gut trocknen, da es kaum zum Werfen oder Reißen neigt. Frisches Tannenholz besitzt eine höhere Holzfeuchte als Fichte, so dass zum Erreichen derselben Endfeuchten die beiden Holzarten getrennt zu trocknen sind. Ebenso ist die Imprägnierung getrennt vorzunehmen, da Tanne eine deutlich höhere Flüssigkeitsaufnahme als Fichte aufweist.

Natürliche Dauerhaftigkeit (DIN-EN 350-2)

Der Witterung ausgesetzt ist Tanne nur wenig dauerhaft (Dauerhaftigkeitsklasse 4). Daher ist bei der Verwendung im Außenbereich auf einen wirkungsvollen Schutz entweder durch baulich-konstruktive Maßnahmen oder durch fachgerechte Anwendung chemischer Holzschutzmittel zu achten.

Verwendungsbereiche

Tanne ist gegenüber der Fichte überall dort eine besseren Eignung nachgesagt, wo Holz ständiger oder wechselnder feuchte ausgesetzt ist. Vom Handel wird Tanne vornehmlich als Rund- und Schnittholz, daneben als Furnier (gemessert und geschält) angeboten. Im Schnittholzhandel wird Tanne meist zusammen mit Fichte als Mischsortiment unter der Bezeichnung Fichte/Tanne geliefert. Als Bautischlerholz wird Tanne für Türen, Fenster und Wandbekleidungen verarbeitet, vor allem wenn hierfür deckende Anstriche vorgesehen sind. Aber auch naturbelassen kann Tanne bei sorgfältiger Holzauswahl vorteilhaft im Innenausbau eingesetzt werden. Wegen ihrer leichten Spaltbarkeit ist die Tanne eine bevorzugte Holzart zur Anfertigung von Spaltwaren wie z. B. Spankörper, Käseschachteln oder gespaltenen Dachschindeln und die Verwendung als Verpackungsmaterial.

Anmerkungen

Da mit der Erkrankung der Tannen immer eine pathologische Nasskernentwicklung einhergeht, liegen im Holz aus erkrankten Bäumen hohe Anfangsfeuchten vor. Hierdurch verlängern sich die Trocknungszeiten, was z. B. bei einer gemeinsamen Kammertrocknung von Tanne und Fichte ausschließt. Zudem hat sich gezeigt, dass lufttrockenes Nasskernholz eine erhöhte Flüssigkeitsaufnahme zeigt, was u. U. bei der Imprägnierung, Oberflächenbehandlung und Verleimung zu berücksichtigen ist. Die dunklere Färbung des frischen Nasskerns bleicht beim Trocknen weitgehend aus, so dass sie die Verwendung kaum beeinträchtigt.

Tanne – Technische Eigenschaften

Gewicht frisch

800–950 kg/m³

Gewicht lufttrocken

450 kg/m³

Gewicht darrtrocken

410 kg/m³

Druckfestigkeit u12-15

40 N/mm²

Biegefestigkeit u12-15

68 N/mm²

Elastizitätsmodul (Biegung) u12-15

11000 N/mm²

Härte (BRINELL) ⊥ zur Faser u12-15

13–16 N/mm²

Differentielles Schwindmass (radial)

0,14 %

Differentielles Schwindmass (tangential)

0,32 %

pH-Wert

5,5–6,1

Natürliche Dauerhaftigkeit (DIN-EN 350-2)

4

Literatur

  • Wagenführ, R. 2006: Holzatlas, 5. Auflage, Fachbuchverlag Leipzig
  • Informationsdienst Holz, 1998, Einheimische Nutzhölzer, Loseblattsammlung
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