Bossé - Merkmale & Eigenschaften - Holz vom Fach

Holzarten-ABC

Bossé

Bossé – Bezeichnungen und Verbreitung

Kurzzeichen DIN EN 13556

GRXX

Botanische Bezeichnung

Leplaea spp., Familie Meliaceae

Verbreitung

Tropisches West- und Zentralafrika

Handelsnamen

Leplaea cedrata*: Bossé claire, acajou bossé, cèdre d’Afrique, faux acajou (FR); lifaki, light bossé, pink mahogany, pink African cedar, scented guarea (GB); Leplaea thompsonii: Bossé foncé, guarea noir (FR); dark bossé, sweet cedar, black guarea (GB).
GD Holz Thünen Institut

Bossé – Beschreibung und Merkmale

Kurzbeschreibung

Morphologische und molekularbiologische Studien haben dazu geführt, dass die große Gattung Guarea mit einer weiten Verbreitung im tropischen Afrika und Amerika aufgespalten wurde in drei Gattungen. Die afrikanischen Arten bilden nun die beiden Gattungen Leplaea (8 Arten) und Neoguarea (1 Art), die amerikanischen Arten bleiben bei Guarea (73 Arten). Das afrikanische Handelsholz Bossé stammt von den beiden Arten Leplaea cedrata (syn.: Guarea cedrata) und Leplaea thompsonii (syn.: Guarea thompsonii). Diese Arten stehen den Mahagonihölzern nahe und sind diesen in Aussehen und Eigenschaften sehr ähnlich. Sie variieren in der Rotfärbung und der Porigkeit und werden auch als zwei Sortimente vermarktet: Bossé claire (L. cedrata) und Bossé foncé (L. thompsonii). Ihre weite, hauptsächlich im Kongobecken liegende Verbreitung erlaubt einen zwar geringen, aber nachhaltigen Export.

Bossé (Leplaea cedrata) – Querschnitt (ca. 12x) Bossé (Leplaea cedrata) – Querschnitt (ca. 12x) Bossé (Leplaea cedrata) – tangentiale Oberfläche (natürliche Größe) Bossé (Leplaea cedrata) – tangentiale Oberfläche (natürliche Größe) Bossé (Leplaea cedrata) – radiale Oberfläche (natürliche Größe) Bossé (Leplaea cedrata) – radiale Oberfläche (natürliche Größe)

Farbe und Struktur

Kernholz von Bossé claire hellrosa bis lachsfarben, zu einem helleren rötlich braun nachdunkelnd, bei Bossé foncé gelblich braun bis rötlich braun, zu tiefem rotbraun nachdunkelnd; deutlich abgesetzt vom gelblich weißen bis rosagrauen Splint. Poren zerstreut, bei Bossé claire klein bis mittelgroß und zahlreich, bei Bossé foncé mittelgroß bis grob und weniger häufig. Speichergewebe als helle Felder um die Poren angelegt, oft zu welligen Bändern zusammenfließend. Holzstrahlen fein und nur auf Radialflächen als unauffällige Spiegel erkennbar. Faserverlauf bei beiden Arten meist wechseldrehwüchsig und oft mit Abweichungen, die eine attraktive Maserung (Pommelé, Pyramiden, etc.) zur Folge haben. Frisches Holz von Bossé claire hat einen aromatischen Geruch ähnlich dem von Cedro und Sapelli.

Gesamtcharakter

Nach Art und Herkunft unterschiedlich rötlich braun nachdunkelnde Hölzer mit leicht poriger, seidig glänzender Oberfläche.

Eigenschaften

(siehe Eigenschaftentabelle)

Die große Streuung von Rohdichte und Festigkeiten ist der Tatsache geschuldet, dass hier Holz von zwei Arten berücksichtigt wird, die beide unter dem Namen Bossé gehandelt werden. Die Werte für Bossé foncé liegen im mittleren bis oberen Bereich, die von Bossé claire im unteren bis mittleren Bereich.

Oberflächenbehandlung

Nach den bisherigen Erfahrungen sind die Hölzer mit allen Methoden und Präparaten gut zu behandeln; besonders glänzende bis halbmatte Mittel ergeben fein strukturierte und ansprechende Oberflächen. Es ist ratsam, zwischen Trocknung und Oberflächenbehandlung eine Zwischenlagerung einzuschieben, um eventuelle Harzausscheidungen beseitigen zu können.

Bearbeitbarkeit

Bei der Bearbeitung des frischen Holzes, Schälen und Messern eingeschlossen, entstehen ansprechend glatte und matt glänzende Flächen. Die Bearbeitung des trockenen Holzes vor allem von L. cedrata erfordert wegen des teilweisen hohen Gehaltes an Silika (SiO2) Hartmetall bestückte Werkzeuge, um saubere Flächen, glatte Kanten und ausreichende Standzeiten der Schneiden zu erzielen. Eine Neigung zum Ausreißen kann bei starkem Wechseldrehwuchs auftreten. Für Nägel und Verschraubungen sollte vorgebohrt werden. Die Verleimung ist unproblematisch. Eisenmetalle und alkalische Kleber führen bei Bossé zu Verfärbungen.

Trocknung

Die mäßigen Schwindwerte verleihen dem Holz beider Arten ein gutes Stehvermögen. Die Freilufttrocknung verläuft ohne schwerwiegende Defekte und ihrer unterschiedlichen Dichte entsprechend verschieden schnell. Die technische Trocknung von L. cedrata ist weitgehend unproblematisch, L. thompsonii ist bei zu scharfer Trocknung stärker durch Rissbildung gefährdet. Während der Trocknung und auch nach längerer Lagerung des trockenen Holzes ist mit Harzaustritt zu rechnen, der sowohl das Aussehen wie auch die Oberflächenbehandlung beeinträchtigen kann.

Natürliche Dauerhaftigkeit (DIN-EN 350-2)

In der Dauerhaftigkeit gegen holzzerstörende Pilze bestehen leichte Unterschiede zwischen den beiden Arten. In EN 350 (2016) wird die Dauerhaftigkeit für L. cedrata als dauerhaft (variabel), die für L. thompsonii als uneingeschränkt dauerhaft angegeben. Gegen Insekten sind beide Hölzer nur wenig dauerhaft.

Verwendungsbereiche

Ähnlich den verschiedenen Mahagoni-Hölzern kann auch Bossé vielseitig eingesetzt werden: Vollholz kann für Schiffs- und Wohnmöbel, Rahmen, Profilbretter, Drechslerarbeiten und Schnitzereien, die schwereren Qualitäten auch für Parkett und Treppen eingesetzt werden, Furnier für Sperrholz (Bootsbau, Möbel, Zigarrenkisten). Aus dem aromatischen Holz von L. cedrata werden auch Mikrofurniere für Zigarrenhülsen hergestellt.

Anmerkungen

Achtung: Der bei der Bearbeitung entstehende Holzstaub kann bei empfindlichen Personen allergische Reaktionen der Haut, der Atemwege und der Schleimhäute verursachen.

Bossé – Technische Eigenschaften

Rohdichte lufttrocken (12-15% u)

0,55–0,62–0,74 g/cm³

Druckfestigkeit u12-15

47–58–69 N/mm²

Biegefestigkeit u12-15

95–103–145 N/mm²

Elastizitätsmodul (Biegung) u12-15

9 400–12 900–14 500 N/mm²

Härte (JANKA) ⊥, umgerechnet

3,6–4,3–4,9 kN

Härte (BRINELL) ⊥ zur Faser u12-15

18–23–30 N/mm²

Differentielles Schwindmass (radial)

0,18–0,20 %

Differentielles Schwindmass (tangential)

0,27–0,31 %

pH-Wert

4,8

Natürliche Dauerhaftigkeit (DIN-EN 350-2)

Klasse 2(–3)

Literatur

  • Barros Logson, N., Finger, Z. & Silva Penna, E. 2008. Caracterização físico-mecânica da madeira de Cedro- marinheiro, Guarea trichilioides L. (Meliaceae). Sci. For., Piracicaba (36),77: 43-51
  • CIRAD-FORÊT Tropix 7: Fiches techniques Version 5.1. https://tropix.cirad.fr/
  • Farmer, H. 1972. A Handbook of Hardwoods. 2. Aufl., B.R.E. Princes Risborough
  • Hausen, M. 2016. Woods injurious to human health, a Manual. Walter de Gruyter, Berlin, New York, 192 p.
  • Jiofack Tafokou, R.B., 2008. Guarea cedrata (A.Chev.) Pellegr. In: Louppe, D., Oteng-Amoako, A.A. & Brink, M (Editors). PROTA (Plant Resources of Tropical Africa / Ressources végétales de l’Afrique tropicale), W ageningen, NL
  • Klaassen, K.W.M. (ed.) 2018. Houtvademecum. Smartwave B.V., Den Haag NL, 832 pp.
  • Lemmens, R.H.M.J., 2008. Guarea thompsonii Sprague & Hutch. In: Louppe, D., Oteng-Amoako, A.A. & Brink, M. (Editors). PROTA (Plant Resources of Tropical Africa / Ressources végétales de l’Afrique tropicale), Wageningen, NL
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