Interview mit Thomas Vilgis

Vorstand Vertrieb & Warenwirtschaft bei der ZEG Zentraleinkauf Holz + Kunststoff eG

Wie und warum sind Sie damals zum Holzfachhandel gekommen?

Das mit dem Holz fing bei mir schon recht früh an. Mein Stiefvater hatte eine eigene kleine Holzhandlung und schon als Schüler mit 13 oder 14 Jahren habe ich in den Ferien dort im Lager gearbeitet. Auch bei Inventuren war ich dabei: Furniere zählen. Als er dann in der ZEG als Außendienstmitarbeiter anfing habe ich mir während der Abiturzeit andere Nebenjobs gesucht. Und weil‘s so schön einfach war (durch die Kontakte des Stiefvaters) auch wieder in der Holzbranche, bei Schreinereien, Fenster- und Türenmontage, Werkstattarbeiten, Verglasungen, alles was ein Schüler so machen darf. Irgendwie bekommt man dann eine Neigung zum Holz. Während der Bundeswehrzeit habe ich mich dann für eine Ausbildungsstelle bei der ZEG als Groß- und Außenhandelskaufmann beworben. Da wurde ich dann auch tatsächlich genommen und war damals der erste Auszubildende in der Niederlassung Mannheim. So kam ich zum Holzfachhandel.

Welche Berührungspunkte hatten Sie davor mit dem Werkstoff Holz?

Wie bereits oben gesagt, eigentlich schon familiär geprägt. Der Rest hat sich dann irgendwie ergeben.

Welche Möglichkeiten gab es für Sie im Unternehmen sich weiterzuentwickeln?

Mein damaliger Chef hatte die Gabe, mir jedes Mal, wenn eine Tätigkeit anfing langweilig zu werden, wieder etwas Neues als Herausforderung zu geben ohne dass ich das damals so richtig gemerkt habe. Lange Arbeitszeiten, auch mal Samstags oder Sonntags, oder wochenlange Auslandsaufenthalte haben mich nicht sonderlich abgeschreckt. So ging ich in den ersten zehn Jahren bei der ZEG durch ziemlich alle Bereiche im Unternehmen. Telefonverkauf im Innendienst, Einkauf auch in Übersee, zwei Jahre im Außendienstverkauf, Assistent der Geschäftsleitung verantwortlich für die Lagerlogistik inklusive Personalverantwortung und Mahnwesen.

Zwischendurch bin ich sogar mal ein halbes Jahr LKW gefahren und habe ausgeliefert. Immer alles in kleinen Portionen ohne dass ich das richtig registriert hätte. 1993, mit 30, wurde ich dann Niederlassungsleiter. Aber auch hier hatte ich immer noch einen Mentor im Hintergrund den ich fragen konnte. Ja, er hat mich auch hin und wieder in die eine oder andere Falle laufen lassen, immer unter Kontrolle, dass es nie ganz in die Hose geht, aber eben machen lassen. Das war wieder ein neuer Abschnitt, plötzlich vollverantwortlich für einen ganzen Standort, mit allen großen und kleinen Fehlern, die man so als Frischling macht. Da ging ich dann durch die Entwicklungsphase vom jungen Wilden, der mit dem Kopf durch die Wand will, zum etwas überlegter Handelnden, der erst denkt und dann handelt.

Irgendwann bekam ich dann auch noch die Möglichkeit, von der ZEG gefördert, mit Mitte Vierzig meinen Betriebswirt nachzuholen. Das gibt dann nochmal einen Tick mehr betriebswirtschaftliches Zahlenverständnis. Von der Praxis in die Theorie. Das hat sich wirklich gut ergänzt. Letzten Endes ist aber Förderung durch das Unternehmen, oder einen Mentor, den man meines Erachtens unbedingt braucht, die eine Seite der Medaille, der eigene Antrieb sich immer neuen, anderen Dingen zu stellen und die Bereitschaft zur Veränderung die andere Seite. Beides ist unerlässlich für persönlichen Erfolg.

Welche Aufstiegschancen sehen Sie heute in der Holzfachhandelsbranche?

Ich denke, dass die Aufstiegschancen grundsätzlich nicht besser oder schlechter sind als in anderen Branchen. Mag sein, dass die „Hölzernen“ gesamtwirtschaftlich betrachtet eine etwas kleinere Familie sind, aber ohne persönliche Leistung geht es nirgends, egal wo man arbeitet. Einfach nur mit schwimmen und warten bis die altersgerechten Lohnerhöhungen kommen, diese Zeiten sind überall vorbei. Möglicherweise wird man als junger engagierter Mensch aber in der „kleinen“ Holzbranche eher wahrgenommen als in irgendeinem Großkonzern. Das sehe ich als Vorteil.

Welche Tipps würden Sie junge Menschen geben, wenn sie sich im Holzfachhandel bewerben?

Grundsätzlich mal, keine Angst vor nichts. Und man darf sich nicht zu fein sein, sich auch mal die Hände schmutzig zu machen. Und das meine ich wörtlich. Menschenscheu sollte man auch nicht sein, egal ob im Groß- oder im Einzelhandel. Wir sind eine Dienstleistungsbranche, da kann sich jeder, ob jung oder alt, an den eigenen Ansprüchen messen, wenn wir selbst irgendwo Kunde sind. Das was ich da erwarte, muss ich bereit sein als Mitarbeiter selbst zu geben. Immer und jederzeit.